Zur Baugeschichte und Funktionsweise des Eiskellers



Auszüge aus der Diplomarbeit von Alexander Busse:
Sanierung und Umnutzung des Eiskellers der ehemaligen Victoriabrauerei in Hildesheim-Moritzberg,
im Wintersemester 1999/2000 an der FH Hildesheim, Holzminden, Göttingen, Fachbereich Architektur, Studienschwerpunkt Baudenkmalpflege.
Auszüge und Quellen bearbeitet von Sabine Brand.

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2000: Ein Nutzungsentwurf - nicht umgesetzt



Mein Entwurf legt Wert darauf, die Struktur des Kellers im Ganzen zu erhalten. Es wird also eine Lösung angestrebt, die unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Interessen die technischen Probleme beseitigt und in der Lage ist, den „Bier, Gähr- und Lagerkeller“ in seinen wesentlichen Teilen zu erhalten. Technische und finanzielle Möglichkeiten einerseits und denkmalpflegerische Ansprüche andererseits sollen dabei aufeinander abgestimmt werden. Die Konservierung der historischen Substanz steht dabei im Vordergrund, jedoch werden Rekonstruktionen von einzelnen, schadhaften Stellen und Bereichen vertreten, um das ganzheitliche Erscheinungsbild zu wahren.
Der Eingangsbereich wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Um eine Verbindung herzustellen werden die Durchlässe der äußeren Bierlagerkeller zum Eislagerkeller vergrößert. Das Mauerwerk zwischen dem mittleren Bierlagerkeller und dem Eislagerkeller wird vollständig entfernt. Dadurch werden beide Räume verbunden, im Schnittpunkt ist eine Kleinbühne vorgesehen.
Dem Eiskeller wird eine Nutzung zugedacht, die das Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich macht. Die handwerklich sehr sauber hergestellten Ziegelgewölbe mit ihrem außergewöhnlichen Ambiente eignen sich hervorragend für eine gastronomische Nutzung. Die Attraktivität der Räume ist geeignet, ein breitgefächertes Publikum auch über größere Entfernungen anzuziehen. Der Betrieb soll über das grundsätzlich vorhandene Angebot kulinarischer Bewirtung hinaus ein flexibles Veranstaltungsprogramm vorweisen. Die Trennung der drei Bierlagerkeller ermöglicht es, jedem Raum eigene Funktionen zuzuordnen. Der nördliche Bierlagerraum bleibt grundsätzlich dem gastronomischen Betrieb vorbehalten. Die rustikale Atmosphäre lädt zum gemütlichen Essen und Wein- und Biertrinken ein. Der zentrale Bierlagerraum und das Eislager dienen als „Veranstaltungstonne“. Das Programmangebot kann von Tanzveranstaltungen, Diskothek und Rock-, Pop- oder Jazzkonzerten über experimentelle Theatervorstellungen, Kabarett, Kino, Diashows und Lesungen bis hin zu kleineren Ausstellungen künstlerischer Natur reichen. Am Kopfende des mittleren Bierlagers und in dieses nahtlos übergehend befindet sich der ehemalige Eislagerkeller. Durch seine Höhe ist dies der beeindruckendste Raum des Kellers. Hier befindet sich eine Bar und ein Aufenthaltsraum, der zum Teil auch als Tanzfläche bei Diskothekenveranstaltungen genutzt werden kann. An den Wänden des Eislagerkellers befinden sich Treppen und Galerien in Stahlkonstruktion. Die höchste Galerie liegt 5,30 Meter über dem Fußboden des Raumes. Die Galerien sind mit sechsmal zwei exklusiven Sitzplätzen bestückt. Das südlich gelegene Bierlager dient als „Multifunktionsraum“ und kann in die Funktionen der beiden anderen Räume eingebunden werden. Bei Bedarf kann er als Erweiterung für die Gastronomie dienen. Bei Diskotheken- oder Konzertveranstaltungen ist hier ein ruhiger Bereich für kurzfristige Erholung vorhanden. Der Raum lässt sich aber auch unabhängig nutzen und könnte beispielsweise für private Veranstaltungen vermietet werden. Schließlich lassen sich bei größeren Partys und Tanzveranstaltungen auch alle Räume gemeinsam nutzen. Die Ergänzung des gastronomischen Angebotes durch kulturelle Veranstaltungen trägt dazu bei, den Bekanntheitsgrad der Gaststätte zu steigern und macht somit Werbung für das Lokal. Beispielsweise lassen sich auch monatlich wechselnde Ausstellungen junger Künstler arrangieren.
Seine Geometrie macht den Eiskeller zu einem Unikat, vergleichbare Kelleranlagen sind zur Zeit nicht bekannt. Wenn es gelingen könnte, die außergewöhnliche Architektur des Kellers durch außergewöhnliche Qualität von Gastronomie und Service zu ergänzen, entstünde der Stadt Hildesheim und dem Moritzberg eine bedeutende kulturelle und gastronomische Attraktion.

Alexander Busse
aus: Moritz vom Berge, Stadtteilzeitung Hildesheim-West, März 2000
© 2016 Verein zur Erhaltung des Eiskellers der ehemaligen Victoriabrauerei Hildesheim e.V.
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