© 2016 Verein zur Erhaltung des Eiskellers der ehemaligen Victoriabrauerei Hildesheim e.V.
Zeichnungen: © by Alexander Busse

Pläne

Verein zur Erhaltung des Eiskellers der ehemaligen Victoriabrauerei Hildesheim e.V.

Baubeschreibung



Die im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung „Felsenkeller“ ist insofern irreführend, als der Keller nicht als Höhlung in den Felsen des Berges gehauen wurde, sondern als Mauerwerk aus Ziegel- und Bruchstein in eine Baugrube gestellt wurde. Eine unscheinbare Natursteinfassade von etwa 3 x 8 Meter stellt den Eingang in das unterirdische Bauwerk dar. Über eine schmale Treppe gelangt der Besucher in einen kleinen Vorraum. Dieser Vorraum führt nach Osten in den unterirdischen Verbindungsgang zur ehemaligen Brauerei und nach Westen in einen Raum von etwa 17,20 Meter Länge und 3,50 Meter Breite, der als Verteiler in die Bierlagerräume diente. Die Bierlagerräume haben eine Grundfläche von etwa 14,60 x 5,20 Meter. Den oberen Abschluss der Räume bildet ein Halbtonnengewölbe. Im Scheitel beträgt die lichte Höhe 4,50 Meter. Drei dieser Räume liegen parallel nebeneinander. Am Kopfende des mittleren Raumes liegt der ehemalige Eislagerraum. Seine Grundfläche beträgt 5,42 x 7,35 Meter. Auch hier wird der obere Abschluss von einem Halbtonnengewölbe gebildet. Die lichte Höhe beträgt im Scheitel beeindruckende 9 Meter. Dabei liegt das Fußbodenniveau etwa 1,10 Meter höher als in den Bierlagerräumen. Am oberen Ende des Eislagers befindet sich die alte Eisrutsche, über die im Winter das Eis in den Keller gelangte.
Das Eis wurde mit Pferdekarren über die Zierenbergstraße zum Eiskeller gefahren. Über eine Holzrampe wurde es von den Pferdewagen auf der Straße zu der Rutsche am oberen Abschluss der Ostwand des Eislagerkellers befördert. Über diese Rutsche wurde der Raum vollständig mit Eis gefüllt. Das höhere Fußbodenniveau des Eislagerraumes zu den Bierlagerräumen verdeutlicht, dass die natürliche Fließrichtung der kalten Luft bewusst in die Planung des Kellers einbezogen wurde. Sowohl die Bierlagerkeller als auch der Eislagerkeller verfügten in der Mitte des Gewölbescheitels über eine verschließbare Abluftöffnung. Über diese konnte warme Luft aus den Bierlagerkellern entweichen. Durch Verbindungsöffnungen zwischen Eislagerkeller und Bierlagerkellern verteilte sich die Kälte in der Luft und kühlte das Bier. In den Bierlagerkellern nach oben abziehende warme Luft zog kalte Luft aus dem Eislagerkeller nach sich und sorgte für dauerhafte Kühlung. In den Trennwänden zwischen den Bierlagerkellern befanden sich in Fußhöhe drei Öffnungen, durch welche die Luft zwischen den Räumen zirkulieren konnte. So hatten alle drei Bierlagerräume in etwa dieselbe Temperatur. Der Fußbodenaufbau bestand aus einer zur Raummitte und nach Osten hin geneigten Pflasterschicht. Schmelzwasser konnte durch das Pflaster in den Boden eindringen und versickern. Der später hinzugefügte unterirdische Verbindungsgang zur Brauerei ermöglichte einen deutlich vereinfachten An- und Abtransport des Bieres. Der Eiskeller der ehemaligen Victoria-Brauerei ist in seiner baulichen Substanz bemerkenswert gut erhalten. Die Bauschäden wiegen relativ gering. Nur die ungünstige Lage im Erdinnern würde die Sanierungsarbeiten erschweren.
Um ein Baudenkmal dauerhaft und sachgerecht zu erhalten sind zum Teil erhebliche finanzielle Mittel nötig. Bauordnungsrecht und Denkmalschutzgesetz sind zu beachten. Ein Denkmal, dem keine Nutzung zugeordnet wird, kommt sehr wahrscheinlich nicht in den Genuss einer ausreichenden Bauwerkserhaltung. Es ist daher im Sinne des Denkmalschutzes, den Victoria-Eiskeller einer ansprechenden und lukrativen Nutzung zuzuführen. Trotz einiger baulicher Eingriffe in die Substanz des Denkmals lässt es sich nur so langfristig erhalten.

Alexander Busse
aus: Moritz vom Berge, Stadtteilzeitung Hildesheim-West, März 2000
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